Paukenschlag zum Saisonwechsel: Lacaille geht
Der Manager hatte bereits angekündigt, dass den Holstenboys eine personelle Zäsur bevorsteht. Dass von diesem Umbruch nicht nur die Spieler, sondern auch Erfolgstrainer Léo Lacaille betroffen sein würden, hatte nicht mal Vereinswahrsager Aeneas P. Rophet in einer seiner Glaskugeln gesehen. Entsprechend groß war der Andrang der Reporterschar und der Vertreter der Fangruppen bei der Pressekonferenz heute morgen. Keiner wusste, aber alle wollten wissen, warum der Mann, der die Holstenboys in zwei Spielzeiten zweimal zum Aufstieg führte, plötzlich nicht mehr Trainer sein sollte. Zur Pressekonferenz erschienen nur Manager Bergfred und Pressesprecher Al Loquent.
Der Manager kam ohne Umschweife zur Sache: “Léo hat einen großartigen Job gemacht. Als er die Mannschaft zwei Spieltage vor Ende der Saison 34 übernahm, traten wir schon seit einiger Zeit auf der Stelle. Er half dem Team dabei, den nächsten Schritt zu machen und innerhalb von nur einer Saison machte er aus dem ewigen Zweiten eine Siegertruppe und gewann souverän die Meisterschaft. Auch die daraufhin folgende Aufgabe “Klassenerhalt” konnte das Team unter seiner Führung mehr als meistern. Dass man als Aufsteiger wochenlang die Tabelle anführt, ist nicht selbstverständlich. Am Ende fehlten 13. Minuten zum Meistertitel.”
Die nun folgende Pause wirkte geplant, verfehlte ihre Wirkung aber nicht. Die Stille war drückend, alle hingen an den Lippen von Bergfred, der nach einem großen Schluck Holsten fortfuhr: “Aber wie das so ist, jede Medaille hat aber eine Kehrseite. Wenn ein Trainer mit einem guten, aber nicht außergewöhnlichen Spielerpotential von 30 Spielen nur vier verliert, dabei in zwei Spielzeiten zweimal aufsteigt, werden Vereine mit ganz anderen finanziellen Möglichkeiten auf ihn aufmerksam. Der Vertrag hat nur eine Gültigkeit bis zur 7.Liga – in den Verhandlungen der letzten Tage wurde schnell klar, dass wir ihn nicht halten können. Das ist natürlich ein harter Schlag für uns. Nun stehen wir mit vergleichsweise bescheidenen finanziellen Mitteln nicht nur vor der Herausforderung, die Mannschaft gezielt zu verstärken, sondern auch einen zu unserem Konzept passenden Trainer zu verpflichten. Die ersten Gespräche wurden geführt, mehr kann ich aber aktuell noch nicht sagen.” Wieder folgte eine Pause, einerseits um die Worte im Raum ihre Wirkung entfalten zu lassen, andererseits um einen weiteren, kräftigen Schluck zu sich zu nehmen. Irgendjemand schluchzte leise.
Mit kämpferischer Miene setzte der Manager zum Schlussstatement an: “Klar ist nur, dass wir das zur Verfügung stehende Geld nicht in teure ‘Stars’ investieren werden. Wir haben vielversprechende, junge Spieler in unserem Kader – unser Weg kann nur sein, sie zu fördern. Und wenn es so sein sollte, dass wir nur ein kurzes, erstes Gastspiel in Liga VI geben, dann spielen wir übernächste Saison wieder um den Meistertitel in Liga VII mit – und zwar mit einer jungen Truppe, die bereits über Erfahrung in der sechsten Liga verfügt.”
Mit diesen Worten und einem flaschenleerenden Zug verließ der Manager die Pressekonferenz.

1 comment
Sogar die Spatzen in Oldenburg sangen es vom Dach…..man wollte, ja konnte es nicht glauben….jedoch nach der Pressekonferenz war es dann doch raus, die Bombe geplatzt und die Kuh vom Eis.
Tumultartige Zustände herrschten beim Stammtisch des Fanclubs ” Herbergsväter Oldenburg”, eine Auseinandersetzung mußte sogar vor der Kneipe geklärt werden (Anme. d. Red. niemand wurde hierbei schwer verletzt). Tränen, Wut, Verzweiflung kamen auf (neben literweise Bier), jedoch nach einiger Zeit war allen klar: Die Holstenboys walken nie alone !!! Mit oder ohne Lacaille: Gestorben wird gemeinsam.
Und so trat an die Stelle von Trauer trotziger Optimismus und unbändige Vorfreude auf die neue Saison..gespannt was das Management aus dem macht was es hat, wurde es alles in allem doch ein friedlicher Ausklang des Stammtisches mit kraftvollen Fangesängen…….
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